Autor Thema: Eigene Notenschlüssel  (Gelesen 5211 mal)

lilypiet

  • Gast
Eigene Notenschlüssel
« am: Mittwoch, 22. Mai 2013, 19:40 »
Hallo Forum,
ich möchte in einem Notensystem für ein Klavier statt dem Violinschlüssel ein großes "L" (für linke Hand) und statt des Bassschlüssels ein großes "R" (für rechte Hand) zeichnen. Ich bin noch lilypond-Noob, ich habe die entsprechenden Funktionen noch nicht gefunden. Kann mir jemand weiterhelfen?

Ich finde nur die ganzen anderen Schlüssel...neomensural und so weiter. Kann ich denn irgendwie selbst etwas zeichnen?

LG
Peter

fugenkomponist

  • Gast
Re: Eigene Notenschlüssel
« Antwort #1 am: Mittwoch, 22. Mai 2013, 20:50 »
Hallo Peter,

auch hier hab ich nicht die genaue Lösung, weil ich sowas selbst nie probiert habe. Was du dafür aber auf jeden Fall machen solltest, ist, den sogenannten Stencil zu ändern (mit \override Clef #'stencil = [… hier hab ich jetzt aber keine Ahnung mehr …]), vielleicht hilft dir dieses Schlagwort schon mal weiter.

Ich frage mich allerdings: Warum das ganze? Ich persönlich finde, dass Kinder gleich von Anfang an sehen sollten: So ein Schlüssel gehört dazu. Was genau er bedeutet, kann man dann immer noch sagen. Ein Grund ist auch der Folgende: Es gibt haufenweise Stücke, in denen nicht die linke Hand im Bass- und die rechte im Violin-Schlüssel steht. Und diese Information geht dir dann einfach verloren. Ich würde lieber in einem Begleittext dazu schreiben, dass die linke Hand normalerweise erstmal das spielt, was im unteren System steht und die rechte das im oberen. Dass die linke Hand dann (am Anfang) oft Bassschlüssel spielt, merkt so ein Kind dann auch von selbst ;) Oder halt die Hände direkt an die Systeme ranschreiben (z. B. per \set Staff.instrumentName = "linke Hand" etc.), aber nicht den Schlüssel überschreiben.

Kann natürlich auch sein, dass ich das jetzt missverstehe, aber dein anderer Beitrag sah so aus, als ginge es da um eine Art Klavierschule oder so.
Es gibt natürlich auch moderne Musik mit komischer Notation, wo man aus Tradition zwar fünf Linien hat, die aber eigentlich nichts über die Tonhöhe aussagen. Dann kann man natürlich den Schlüssel weglassen.

harm6

  • Gast
Re: Eigene Notenschlüssel
« Antwort #2 am: Mittwoch, 22. Mai 2013, 23:21 »
Hallo Peter,

willkommen im Forum.

Zitat von: lilypiet
Kann ich denn irgendwie selbst etwas zeichnen?

Kurz gesagt: Ja, falls Du es dann auch einbinden kannst.
fugenkomponist hat schon einen Hinweis gegeben.

Z.B.:

\version "2.16.2"

#(define (new-markup-stencil mrkp)
  (lambda (grob)
    (grob-interpret-markup grob mrkp)))

newClef =
#(define-music-function (parser location mrkp)(markup?)
#{
  \override Staff.Clef #'Y-extent =
   #(ly:make-unpure-pure-container
      ly:grob::stencil-height
      (lambda (grob start end) (ly:grob::stencil-height grob)))
     
  \override Staff.Clef #'stencil =
    #(lambda (grob)
      (new-markup-stencil mrkp))
#})
     
rechts = \markup \raise #-0.5 \fontsize #7 \bold "R"
 links = \markup \raise #-0.5 \fontsize #7 \bold "L"
   
\new PianoStaff <<
\new Staff \with { \newClef \rechts }
  {
  R1
  }
\new Staff \with { \newClef \links }
  {
R1
  }
>>

Obige Vorgehensweise hat den Vorteil, daß Du \rechts bzw \links mit der üblichen LilyPond-Eingabe-Syntax für markups schreiben kannst.

Gruß,
  Harm

P.S.
Zitat von: fugenkomponist
Ich frage mich allerdings: Warum das ganze? Ich persönlich finde, dass Kinder gleich von Anfang an sehen sollten: So ein Schlüssel gehört dazu. Was genau er bedeutet, kann man dann immer noch sagen.
Ich frage mich das nicht mehr.
Tatsächlich behaupte ich, nach mehr als zwei Jahrzehnten Unterricht (privat und an Musikschulen):
Der Trend geht dahin alle Unterrichtsschritte zu miniaturisieren.
Der Schüler soll Spaß haben.
Er soll "nicht überfordert" werden.
Bunte Bilder sind wichtig.
Lerninhalte und deren Bewältigung vernachlässigbar.
...

Ich könnte noch ziemlich lange so weiter machen, das ist hier aber das falsche Forum dafür.

Fazit: Wir schaffen gerade eine Jahrhunderte alte Musiktradition ab und niemanden interessiert es.

EDIT

PPS
Nachdem ich meinen Beitrag nochmal gelesen habe will mir scheinen, daß der Eindruck entstehen könnte ich würde Peter an den Karren pissen.
Nichts liegt mir ferner.
Ich kotz' mich nur gelegentlich darüber aus, was ich als Musikschullehrer so erlebe.
Absurd ist da ein äußerst schwacher Euphemismus.
« Letzte Änderung: Donnerstag, 23. Mai 2013, 01:45 von harm6 »

Be-3

  • Gast
Re: Eigene Notenschlüssel
« Antwort #3 am: Donnerstag, 23. Mai 2013, 10:53 »
Hallo Peter,

ich möchte mich Harms Meinung anschließen bzw. finde es nicht gut, ohne zwingenden Grund die Schlüssel zu verändern, vor allem, weil es einen so nicht richtigen Zusammenhang zwischen Rechte Hand/Violinschlüssel und Linke Hand/Baßschlüssel herstellt.
Wenn man bedenkt, daß gerade im Kinder-Anfängerbereich auch oft in beiden Systemen der Violinschlüssel verwendet wird, sind ohne ordentliche Schlüssel die Noten eigentlich nicht lesbar...
Was ist so böse oder abschreckend an den Schlüsseln (Horrorfilme dürfen die Kleinen ja auch oft schauen ;))?

Ich würde lieber L und R bzw. Rechte/Linke Hand vor die Systeme schreiben.
Das wird (nicht ohne Grund) in Lehrwerken auch oft so praktiziert.

Mit Lilypond kann man das leicht erreichen, indem man das als IntrumentName setzt, wenn man es nicht nur am Anfang, sondern vor jeder Zeile möchte, kann man auch noch shortInstrumentName benutzen.

Ich würde das dann in etwa so machen:

\version "2.16.2"

\new PianoStaff <<
  \new Staff {
     \set Staff.instrumentName = \markup \sans \bold \huge "       R"
     \set Staff.shortInstrumentName = \markup \sans \bold \huge "R"
    \clef treble
    R1 \break
    R1
  }
  \new Staff {
     \set Staff.instrumentName = \markup \sans \bold \huge "       L"
     \set Staff.shortInstrumentName = \markup \sans \bold \huge "L"
    \clef bass
    R1 \break
    R1
  }
>>

Viele Grüße
Torsten

lilypiet

  • Gast
Re: Eigene Notenschlüssel
« Antwort #4 am: Donnerstag, 23. Mai 2013, 11:35 »
Vielen Dank für die Antworten. Ist ja ein wirklich aktives Forum!
Danke, Harm, für die Komplettlösung! Und Torsten, das mit den Kurznamen gefällt mir auch sehr gut!
An diejenigen, die sich fragen, warum ich das machen möchte:

Meine Tochter (5) lernt derzeit mit der Klavierschule von Valenthin Engel (http://www.amazon.de/Circus-Pianissimo-Klavierschule-Kinder-Jahren/dp/3866420056/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1369301278&sr=8-1&keywords=Circus+Pianissimo). Der hat eine für mich interessante Pädagogik, den Kindern erst einmal die Noten zwar zu zeigen, aber die sind noch mit Bildchen drin, die Notenlängen sind noch nicht korrekt. Alles sieht etwas leichter aus.

Vorteil: sie kann so vom Blatt spielen, mit echten Noten kann sie aber noch nicht so viel anfangen, obwohl die seeeehr ähnlich sind.

Nun wollte sie unbedingt ihrer Oma Happy Birthday vorspielen, kann die Version in dem Buch aber noch nicht. Weil sie aber noch in dem Anfänger-Notensystem unterwegs ist, wollte ich es ihr da einfacher machen, zumal ich auch kein Ärger mit der Klavierlehrerin haben möchte.

Ich habe früher auch direkt richtige Noten gelernt, das war aber einiges später. Interessant für mich als Papa ist es zu sehen, wie gut das mit dem System von Engel klappt.

Liebe Grüße und Dankeschön!
Peter

Be-3

  • Gast
Re: Eigene Notenschlüssel
« Antwort #5 am: Donnerstag, 23. Mai 2013, 23:01 »
Hallo Piet,

ach so...  ;D
In solch einem Fall und bei einer Fünfjährigen ist Dein Anliegen ja nachvollziehbar...

Ich habe nun als "Feierabend-Sport" mal (das ist ja das eigentliche Problem neben den Notenschlüsseln) die "Circus"-Notenköpfe als Font nachgebastelt und sie an die Stelle der Original-LilyPond-Notenköpfe gesetzt.

Harms leicht angepaßte Notenschlüssel-Lösung mit eingebaut sieht das dann so aus wie in der angehängten Grafik.

Dein "Happy Birthday" wird ja im Thread Allgemeine Probleme mit einem Stück behandelt, dort wirst Du auch meine Komplett-Lösung incl. Notenkopf-Font finden.

Viele Grüße
Torsten


KuKmal

  • Gast
Re: Eigene Notenschlüssel
« Antwort #6 am: Samstag, 8. Juni 2013, 22:04 »
Oh wie toll....
Ich kenne Valenthin Engel flüchtig, da er vor 20 Jahren der Klavierlehrer meines damaligen Freundes war. Ich hatte ein Heft von ihm mit ganz netten Stücken für den Anfängerunterricht...

Und neulich stellte ich fest, dass das Heft aus meinem Regal und der Name aus meinem Kopf entfleucht waren. Nu hab ich wenigstens den Namen wieder.
Das Heft war im Selbstverlag erschienen - mal schaun, ob ich es wieder auftreiben kann.

Ich danke Euch für die Diskussion um Pros und Cons der Vereinfachung von Noten...nur so kam der Name hier ins Gespräch :-)

(Meine Meinung dazu übrigens: Bloß nicht pauschalisieren. Ich hatte schon Schüler, bei denen mir die Ministeps unheimlich geholfen haben - und die dann mit Freude noch nach mehreren Jahren gespielt haben, obwohl der Fortschritt minimal war. Ich erinnere mich sehr gut an einen, der mir begeistert erzählte, wie toll er sich nach der Schule mit dem Klavier entspannen kann. Er spielte mit 10 Jahren nach vier Jahren Unterricht aus Heumanns zweitem Band...aber wat solls, wenns ihn froh gemacht hat.

Und wenn man irgendwo merkt, dass da auch mehr drin ist - na dann - her mit den Herausforderungen, her mit der russischen Klavierschule, her mit Anna Magdalena usw.... :-)

Aber lieber was Einfaches, gut gespielt, als ein verhunzter Bach oder Schumann und ein frustriertes Kind...

Ende ... )

Schönen Abend Euch lilypond-Helden!

Isabeklll

  • Gast
Re: Eigene Notenschlüssel
« Antwort #7 am: Montag, 27. April 2015, 12:45 »
Hallo Peter, das selbe Problem hatte ich auch :)