Autor Thema: Tabulatur Effekte  (Gelesen 5112 mal)

Jakob

  • Gast
Tabulatur Effekte
« am: Montag, 18. April 2011, 18:37 »
Hi! Ich habe eine Frage zur Tabulatur. Viele "Effekte" kennt Lilypond ja nicht, z. B. diese Bending-"Pfeile". Aber angeblich sollen Slides ja möglich sein (also zum Einen diese Striche zwischen zwei Köpfen, und zum anderen, dass Notenköpfe/"Bundzahlen" eingeklammert werden). Wenn ich jetzt mal vergleiche: Bei Dire Straits Noten habe ich zwei ganze A4-Seiten, die mir die Tabulatur-Notation erklären, bei AC/DC ist es natürlich deutlich weniger (ist ja auch wesentlich einfacher), aber immer noch genug. Wie viele solcher Elemente kennt denn nun Lilypond?

PS: Eine Feinheit ist da noch. Mir kommt es vor, dass Taktlinien entweder bei Tabulatursystemen dicker, oder bei Klaviersystemen dünner sind. Jedenfalls gehen die über die Notenlinien hinaus. Bei doppelten Linien verschwindet der Weißraum dazwischen fast. Das verfehlt ein wenig das Ziel eines qualitativ hochwertigen Satzes. Ich will damit keinesfalls die große Leistung der Lilypond-Entwickler in frage stellen, aber es gibt gewisse Feinheiten, die nicht stimmen. Ich habe da ein paar Dinge gesammelt, die mir etwas missfallen. Weiß jemand, wo man solche Verbesserungen vorschlagen kann? Diese betreffen z. B. auch den Textsatz (korrekte Anführungszeichen, unterschiedliche Linienbreite z. B. bei "sf").

harm6

  • Gast
Re:Tabulatur Effekte
« Antwort #1 am: Montag, 18. April 2011, 20:43 »
Hallo Jakob,

zu Deinen Fragen und Anmerkungen:

Zitat
Wie viele solcher Elemente kennt denn nun Lilypond?

Prinzipiell unendlich viele! ;D
Wenn Du weder im Learning Manual noch in der Notationsreferenz fündig geworden bist, dann such das gesamte Netz ab.
Leider sind die gesuchten Sachen weit verteilt. Aber eine Möglichkeit Slides zu setzen habe ich nach einer Minute gefunden:http://lsr.dsi.unimi.it/LSR/Item?id=633.
Einklammern geht mit \parenthesize .
Falls Du etwas haben willst, was es nicht gibt: Dann stell es her oder such jemanden der es für Dich macht.
Und wenn Dir die default-Einstellungen nicht gefallen, dann ändere sie.

Zitat
PS: Eine Feinheit ist da noch. Mir kommt es vor, dass Taktlinien entweder bei Tabulatursystemen dicker, oder bei Klaviersystemen dünner sind. Jedenfalls gehen die über die Notenlinien hinaus. Bei doppelten Linien verschwindet der Weißraum dazwischen fast. Das verfehlt ein wenig das Ziel eines qualitativ hochwertigen Satzes. Ich will damit keinesfalls die große Leistung der Lilypond-Entwickler in frage stellen, aber es gibt gewisse Feinheiten, die nicht stimmen.

Ich weiß ja nicht welchen PDF-Viewer Du verwendest, aber manche kommen nicht gut mit senkrechten Linien zurecht.
Ich selbst verwende Evince auf einem Linux-Rechner, weil der für mich am praktikabelsten ist aber er hat eben diese Macke.
Wenn ich eine bessere Graphik haben will, nehme ich einen anderen PDF-Viewer oder mache ein PNG mit lilypond --png -dresolution=300 <file>.ly
Ich habe das gerade mal durchexerziert: Als PNG ist alles 100%

Zitat
Ich habe da ein paar Dinge gesammelt, die mir etwas missfallen. Weiß jemand, wo man solche Verbesserungen vorschlagen kann? Diese betreffen z. B. auch den Textsatz (korrekte Anführungszeichen, unterschiedliche Linienbreite z. B. bei "sf").

Ich sehe nicht was an den Anführungszeichen auszusetzen ist. Ebensowenig wie bei "sf" (vorausgesetzt Du meinst sforzato).

Eine zentrale Beschwerdestelle ist mir nicht bekannt.

Ich selbst habe mir beim lernen immer gesagt (und tue das auch immer noch): LILYPOND KANN ALLES
Wenn etwas nicht geklappt hat, dann lag es fast immer an meiner eigenen Unkenntnis oder meinem eigenen Unvermögen.

Gruß,
  Harm

trulli

  • Gast
Re:Tabulatur Effekte
« Antwort #2 am: Dienstag, 19. April 2011, 16:09 »
Hallo Jakob,

hier ein paar Fundstellen zu deinen Fragen:
Slides: http://lsr.dsi.unimi.it/LSR/Search?q=slide
Bending: http://lsr.dsi.unimi.it/LSR/Search?q=bendAfter

In der Dokumentation findest du umfangreiches Material zu Suchbegriffen wie Tabulatur, Standardtabulatur, Slides etc...

Spezialprobleme werden oft ganz gut bei OldNabble oder Lilyponduser gelöst. Dort habe ich z.B. "bending" eigegeben. Das sind Mailarchive, in denen auch mal der ein oder andere Entwickler eine Lösung postet.

Harm6 hat völlig recht: Lily kann alles... man muss ihm nur sagen wie. ;D

Ein Problem, das nicht gelöst werden kann ist, dass es keine einheitlichen Standards für Gitarrennotation gibt. In den letzten Jahren sehe ich daher die Tendenz zur Vereinfachung: möglichst wenig Zeichen und möglichst sinnvoll.

Hoffe das hilft
Viel Erfolg und Grüße
« Letzte Änderung: Dienstag, 19. April 2011, 21:56 von trulli »

harm6

  • Gast
Re:Tabulatur Effekte
« Antwort #3 am: Dienstag, 19. April 2011, 16:26 »
Zum Thema bending natürlich auch hier:

https://archiv.lilypondforum.de/index.php?topic=413.0

trulli

  • Gast
Re:Tabulatur Effekte
« Antwort #4 am: Dienstag, 19. April 2011, 21:55 »
Stüüüümmmt, harm6. Das Naheliegendste ist ja oft am fernsten...  ;)

Allerdings ist das ein Bending, das genau die Endnote definiert - das kommt nach meiner Erfahrung nicht oft vor.

Grüße

Jakob

  • Gast
Re:Tabulatur Effekte
« Antwort #5 am: Dienstag, 26. April 2011, 20:18 »
Vielen Dank für die Antworten. Ich habe bereits versucht, mich in die Lily-Sourcen einzufitzen, bisher aber ohne Erfolg. Aber ich kann ja mal etwas suchen.

Wegen der Taktlinien: Da haben wir das Problem! Ich benutze ebenfalls Evince mit Linux. Dummerweise sieht man das eben auch in der gedruckten Version. Ist natürlich blöd, wenn GNU-Software nicht mit GNU-Software zusammenarbeitet.

Die typografischen Fehler habe ich in der Abbildung im Anhang zusammengestellt. Ich werde mich mal in METAFONT einarbeiten einarbeiten. Ich finde es nur Schade, wenn Lilypond gegenüber MusixTeX, von dem es ja AFAIK ursprünglich "abstammte", in Sachen Notensatz weit überlegen ist und das dann am Textsatz scheitert.

harm6

  • Gast
Re:Tabulatur Effekte
« Antwort #6 am: Mittwoch, 27. April 2011, 11:43 »
Hallo Jakob,

um besser nachvollziehen zu können, wo eventuelle Probleme liegen schlage ich vor, daß Du den Code postest. Das PNG finde ich nicht erhellend.
Zum Thema PDF/PNG habe ich erst kürzlich wieder etwas dazu gelernt.

Gruß,
  Harm

RobUr

  • Gast
Re:Tabulatur Effekte
« Antwort #7 am: Mittwoch, 27. April 2011, 22:33 »
Hallo Jakob!

Zitat von: Jakob
Ist natürlich blöd, wenn GNU-Software nicht mit GNU-Software zusammenarbeitet.
Wie kommst du denn darauf? Es funktioniert ja offenbar alles ;)  Evince’s Credo: Simply a document viewer. The goal of Evince is to replace the multiple document viewers that exist on the GNOME Desktop with a single simple application. Wenn es nun Anzeigeprobleme gibt, stammen die offenbar nicht von Lily, sondern von der herbeigesehnten „eierlegenden Wollmilchsau“, die wohl noch nicht ganz erwachsen ist. Auch Evince kann PDFs vergrößert anzeigen, um sich von der korrekten PostScript-Interpretation zu überzeugen. Selbst auf einem Mac ist die Bildschirmdarstellung nicht immer sauber bei 100% gerendert. Lösung: alternativer PDF-Viewer.

Zitat von: Jakob
Dummerweise sieht man das eben auch in der gedruckten Version.
Dann stimmt etwas nicht mit dem Druckertreiber oder dem Drucker selbst (irgendwas à la Economy Mode oder Tinten-/Tonersparmodus eingestellt?). Mit meinen Lily PDFs gehe ich in den Copyshop meines Vertrauens und wähle in den Druckoptionen „höchste Auflösung“: die Druckergebnisse sind überwältigend. Belässt man aber die Standardeinstellung (meist „schneller Druck“), wird die Vektorgrafik (das PDF) in niedriger Auflösung gerastert, und dann haben eben z.B. De-/Crescendogabeln diesen unansehnlichen Treppeneffekt. Aber all das liegt nicht an Lily!

Zitat von: Jakob
Mir kommt es vor, dass Taktlinien entweder bei Tabulatursystemen dicker, oder bei Klaviersystemen dünner sind. Jedenfalls gehen die über die Notenlinien hinaus. Bei doppelten Linien verschwindet der Weißraum dazwischen fast.
Ja: es kommt dir nur so vor. Vektorgrafiken müssen für die Bildschirmdarstellung gerastert werden, und daher sieht’s gerade bei geringen Vergrößerungen oft nicht gut aus. Die Linienstärken sind aber dieselben, und das beweist angehängter Clip. Selbst Evince dürfte bei genügend hoher Vergrößerung korrekt rastern.

Zitat von: Jakob
Das verfehlt ein wenig das Ziel eines qualitativ hochwertigen Satzes.
Als Ergebnis obiger Zeilen: nö.

Zitat von: Jakob
Die typografischen Fehler habe ich in der Abbildung im Anhang zusammengestellt. Ich werde mich mal in METAFONT einarbeiten einarbeiten. Ich finde es nur Schade, wenn Lilypond gegenüber MusixTeX, von dem es ja AFAIK ursprünglich "abstammte", in Sachen Notensatz weit überlegen ist und das dann am Textsatz scheitert.
Das kann ich als Typografie-Nerd nachvollziehen ;)  Dazu muss aber gesagt werden:
  • Lily ist ein automated engraving system.
  • (La)TeX ist ein document preparation system for high-quality typesetting.
  • Musi[c/x]TeX war sicher der Anlass, etwas Eigenes zu programmieren. Aber nur, weil Lily textbasiert ist, ist es längst kein „Nachkomme“ von Musi[c/x]TeX.
  • Die Integration in LaTeX mittels lilypond-book ist mit der 2er Version endlich überzeugend und gut handzuhaben. Lily hat seine Defizite in der Textverarbeitung, TeX hat sie dafür im Notensatz. Ist doch eine tolle Ehe! :)

Zu den Satzfehlern ist folgendes zu sagen:
  • Wenn es ein sforzato (mit oder ohne „z“) sein soll, ist in deiner Grafik nicht das „s“ aus der Emmentaler verwendet worden (auch siehe Anhang). Die Buchstaben „f“, „m“, „p“, „s“, „r“ und „z“ werden als eigenständige Glyphen für Dynamik zur Verfügung gestellt (siehe NR B.6 The Feta font: Dynamic glyphs).
  • Die verschiedenen An- und Ausführungszeichen sind Dank UTF8-Unterstützung entweder per Tastatur-Shortcut oder per Unicode-Kürzel direkt erreichbar. Auch Linux hat eine Art Zeichentabelle. (La)TeX nimmt einem diese Arbeit ja auch nicht ab. ;)
  • Ligaturen sind in vielen Fonts als separate Typen verfügbar und notfalls per Unicode-ID nutzbar (im Anhang ein Screenshot des Linotype FontExplorer X für Max OSX als Beispiel). Lily hat eben nicht den TeX-Kern und kann mit Kerningtabellen nix anfangen.

Viele Grüße, Robert