Autor Thema: Wie setzen Verlage ihre Noten  (Gelesen 8007 mal)

stargazer

  • Gast
Wie setzen Verlage ihre Noten
« am: Dienstag, 12. Januar 2010, 20:07 »
Hallo,

hat jemand Informationen, wie Musikverlage wie Henle, Bärenreiter etc. ihre Noten setzen?

Noch softwarefrei?

fugenkomponist

  • Gast
Re:Wie setzen Verlage ihre Noten
« Antwort #1 am: Mittwoch, 13. Januar 2010, 16:35 »
Henle ist 2000 auf Computersatz umgestiegen. (http://www.henle.de/index.cfm?open=04, da auf Notenstich).
Bei einigen Verlagen sieht man z.B. an den pixeligen Balken (wenn sie nur geringe Steigung haben), dass auch sie umgestiegen sind (z.B. Durand).
Ich glaube, dass der Notenstich ziemlich weit verschwunden ist.

kilgore

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Re:Wie setzen Verlage ihre Noten
« Antwort #2 am: Mittwoch, 13. Januar 2010, 17:35 »
Ich habe neulich was für C.F. Peters gesetzt....... mit Lilypond!   ;D

RobUr

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Re:Wie setzen Verlage ihre Noten
« Antwort #3 am: Mittwoch, 13. Januar 2010, 18:20 »
Der (manuelle) Notenstich stirbt aus. Er ist zwar am schönsten und lebendigsten, aber die Verlagsplatzhirsche beschäftigen lieber Softwareentwickler als "Handwerker". Im Gegenzug werden wieder häufiger Lektoren gesucht, die sich mit Notensatzprogrammen auskennen. (Hier spiegelt sich der Trend schon wörtlich wider: Stich vs. Satz.)

Die Videos auf der Henle-Website sind sehr informativ und zeigen, dass die Verlage (resp. Henle) individuell entwickelte bzw. angepasste Softwarelösungen einsetzen. Welche genau kannst du in der Wikipedia nachlesen: Wikipedia:Notensatzprogramm.

Ein Programm hebt sich dabei besonders ab: Wikipedia:Score. Es ist offenbar so schlank, dass es lediglich MS-DOS als Betriebssystem benötigt. (Andererseits genügt Lilypond ja auch ein kleineres Linux.) Scores unschlagbarer Vorteil ist einfach die absolute Kontrolle des Outputs durch den Nutzer: keine eigenmächtige Formatierung, kein Rumzicken beim Anpassen, voller Zugriff auf alle Layoutobjekte. Man braucht also keine Überredungskünste wie manchmal bei Lily ;) Das bedeutet natürlich auch, dass der Score-Anwender genau wissen muss, was er tut und wie es aussehen soll! Ich habe das Programm noch nicht im Einsatz gesehen, aber das initiale, unformatierte Layout dürfte zunächst nach einem billigen Sequenzernotensatz aussehen. Der Setzer fängt also wie ein Stecher auf einer blitzeblank leeren Oberfläche an. Selbstredend ist Score durch Makropakete erweiterbar, die jeder Verlag inhouse entwickelt oder extern entwickeln lässt. Score ist wie auch Lily postscript-basiert, was verlustfrei skalierbares Output ermöglicht – ein Muss in der Branche.

Der Shootingstar unter den kommerziellen Softwarelösungen ist wohl Sibelius, dessen Notenbild gar nicht mal schlecht aussieht. Wenn man die Standardeinstellungen für sich anpasst, produziert Sibelius ganz ansehnliche Partituren. Wie ich gerade auf der Website lesen musste, ist Sibelius von Avid geschluckt worden – ein weiterer Vorstoß in der Profiliga.

Bestehende Druckvorlagen/-platten werden step-by-step digitalisiert: offenbar nur gescannt und als Bitmap-Grafik archiviert. Der Aufwand, die Vorlagen zu vektorisieren, dürfte ein sehr hoher, teurer sein. Der Unterschied sticht bei Nachauflagen sofort in’s Auge: Titel, Kopf- und Fußzeilen sowie Textseiten (Herausgeberanmerkungen, kritischer Bericht usw.) sind "gestochen" scharf, während der Notenblock etwas ausgefranst, manchmal sogar ziemlich pixelig aussieht. Außerdem kann man es erfühlen, ob die Note im Offsetdruck oder auf einem Laserdrucker hergestellt worden ist.

Wie man von kilgore liest, akzeptieren Verlage auch extern gesetzte Noten. (Ich hatte in einem anderen Thread gelesen, dass dann nur der Notenblock geliefert wird und der Verlag alles andere ringsum selbst gestaltet.) Lily selbst wird wohl nicht so schnell flächendeckend eingesetzt werden, allerdings kann ich mir eine Verwendung der Lilypond-Engine in anderen Produkten gut vorstellen. Ich hatte irgendwo mal gelesen, dass Adobe die TeX-Engine in eines seiner Produkte implementiert haben soll (vielleicht finde ich noch einen Beleg dafür).

stargazer

  • Gast
Re:Wie setzen Verlage ihre Noten
« Antwort #4 am: Mittwoch, 13. Januar 2010, 21:35 »
Besten Dank für die informativen Antworten  ;D

(habe nun was um stöbern)

Viele Grüße
Dieter

stargazer

  • Gast
Re:Wie setzen Verlage ihre Noten
« Antwort #5 am: Samstag, 30. Januar 2010, 20:06 »
Ich habe neulich was für C.F. Peters gesetzt....... mit Lilypond!   ;D
Was hast du C.F. Peters zugeliefert?

PDF oder PS?

Viele Grüße
Dieter

kilgore

  • Gast
Re:Wie setzen Verlage ihre Noten
« Antwort #6 am: Samstag, 30. Januar 2010, 23:09 »
nur die PDF Dateien.  Ich habe auch gar nicht gesagt mit welchem Programm ich es erzeugt habe....

stargazer

  • Gast
Re:Wie setzen Verlage ihre Noten
« Antwort #7 am: Sonntag, 31. Januar 2010, 10:28 »
Offensichtlich exportieren die die PDF-Inhalte, um sie weiter zu verarbeiten.

Viele Grüße
Dieter

kilgore

  • Gast
Re:Wie setzen Verlage ihre Noten
« Antwort #8 am: Sonntag, 31. Januar 2010, 11:58 »
ob die es überhaupt weiter verarbeiten bin ich mir nicht sicher!

stargazer

  • Gast
Re:Wie setzen Verlage ihre Noten
« Antwort #9 am: Sonntag, 31. Januar 2010, 12:30 »
Wie sah denn das Peters-Ergebnis aus?

Gleiche Seitennummer, Copyright, Seitenränder etc. ?

Zitat
Ich habe auch gar nicht gesagt mit welchem Programm ich es erzeugt habe....
Brauchst du auch gar nicht, dazu ist die PDF in ihren "Eigenschaften" zu gesprächig ;D

Viele Grüße
Dieter

 

kilgore

  • Gast
Re:Wie setzen Verlage ihre Noten
« Antwort #10 am: Sonntag, 31. Januar 2010, 12:44 »
Ja alle Daten müssten schon bei der Abgabe drin sein....sie bestimmen alles ganz genau.  Copyright, Seriennummer, Seitenrände.....

stargazer

  • Gast
Re:Wie setzen Verlage ihre Noten
« Antwort #11 am: Sonntag, 31. Januar 2010, 13:09 »
OK - dann hat Peters die PDF offensichtlich 1:1 an den Druck weitergegeben.

Mich würde mal interessieren, ob das so die Regel ist.

Viele Grüße
Dieter

RobUr

  • Gast
Re:Wie setzen Verlage ihre Noten
« Antwort #12 am: Sonntag, 31. Januar 2010, 22:30 »
Was soll man denn sonst mit einem PDF machen??? Es ist dazu da, dass es 1:1 druckfähig ist!

stargazer

  • Gast
Re:Wie setzen Verlage ihre Noten
« Antwort #13 am: Montag, 1. Februar 2010, 17:22 »
Adobe kann einiges - so kann man z.B. in einer Acrobat-Variante aus einem PDF alle Bilder exportieren ...

RobUr

  • Gast
Re:Wie setzen Verlage ihre Noten
« Antwort #14 am: Dienstag, 2. Februar 2010, 00:02 »
Zitat
Adobe kann einiges - so kann man z.B. in einer Acrobat-Variante aus einem PDF alle Bilder exportieren ...
Das dürfte nicht nur Adobe (resp. Acrobat), sondern auch jeder andere entsprechend ausgestattete PDF-Editor können. Da PDFs aus PostScript-Dateien heraus generiert werden, hat man bis zum RIP vollen Zugriff und quasi alle Möglichkeiten, die Datei zu editieren – und sei es mit Notepad *g* Das PD-Format ist ja gerade deswegen entwickelt worden, Dokumente auf beliebigen Plattformen bei beliebigen Empfängern in ein und derselben Weise anzeigen zu lassen wie beim Ersteller – im Gegensatz zu bspw. Text-, Tabellenkalkulations- oder Präsentationsdokumenten, deren Bildschirmanzeige zum einen von lokal installierten Schriftarten und zum anderen von der physikalischen Auflösung installierter Drucker(treiber) abhängig sind. Ganz nebenbei müsste man auch noch das entsprechende Softwareprodukt installiert haben, sofern kein abgespeckter Viewer bereitgestellt wird.

Es geht also beim Anliefern von PDF-Dokumenten in erster Linie um genau diese 1:1-Darstellung. Es ginge natürlich auch mit (E)PS-Dateien, bei denen man aber besser aufpassen muss, dass alle erforderlichen Grafiken und Schriften vollständig eingebettet sind – PDF macht das großzügig meist per Voreinstellung von sich aus (aber man kann es auch abschalten).

Zwei wesentliche Aspekte in PDF, die dem Format letztendlich zum großen Durchbruch auch im Consumerbereich verholfen haben, sind hervorragende Integrierbarkeit von Komprimierungsalgorithmen und Dateinavigation (hyperlinking). Es würde aber das Format unter den Scheffel stellen, da dies erst später implementierte Zusatzfunktionen sind. Nach wie vor ist PDF die erste Wahl, um ein auf den (Pica-)Punkt genau erstelltes Layout unversehrt zum Empfänger zu transferieren (deshalb bekommt man die Verlagsvorgaben auch vorher). Und das Ganze ist auch noch – von eingebetteten Bitmap-Grafiken mal abgesehen – verlustfrei skalierbar dank Vektorformat!

Grüße, Robert