Autor Thema: Standart Gitarrennotation der Fingersätze  (Gelesen 9379 mal)

Alexa

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Standart Gitarrennotation der Fingersätze
« am: Montag, 8. Juni 2009, 11:52 »
Bei der Gitarrennotation notiert Lilypod in der Standard Einstellung die Greifhandsymbole über den Noten und die Schlaghandsymbole bei den Noten. In fast allen käuflichen Literaturen sehe ich dies genau umgekehrt.

Wie ist denn grundsätzlich der "Standart" bei der Notation bei der Gitarre? Greifhandsymbole links von der Note und Schlaghandsymbole darüber und darunter oder doch so wie bei LilyPond in der Voreinstellung?

ding-dong

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Re: Standart Gitarrennotation der Fingersätze
« Antwort #1 am: Montag, 8. Juni 2009, 13:41 »
ich glaube schon alles gesehen zu haben - ob es verbindliche richtlinien gibt weiss icvh nicht!

auf jeden fall kannst du deinen eigenen stil definieren, s. dazu http://lilypond.org/doc/v2.12/Documentation/user/lilypond/Editorial-annotations#Editorial-annotations

hdh

Alexa

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Re: Standart Gitarrennotation der Fingersätze
« Antwort #2 am: Montag, 8. Juni 2009, 17:58 »
Das die freie Wahl bei LilyPoint besteht ist mir schon bekannt, aber welches ist nun sozusagen die heutige Norm? Die Frage die sich mir da stellt ist auch, warum LilyPoint diese Darstellung als Voreinstellung benutz? LP versucht sich ja an alte Stiche zu orientieren. War damals die Gitarrennotation so?

 

trulli

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Re: Standart Gitarrennotation der Fingersätze
« Antwort #3 am: Mittwoch, 5. August 2009, 08:04 »
Hallo,
ich bin klassischer Gitarrist und kann dir versichern:
- Fingersätze der rechten Hand (p,i,m,a) stehen über der Note
- Fingersätze der linken Hand (1,2,3,4) stehen links vom Notenkopf

Lily ist da also nicht up to date und du solltest diese Einstellung verändern. Natürlich gibt es in der Literatur immer wieder mal Ausnahmen. Die bekanntesten sind wohl die alten Eschig Ausgaben (z.B. Brouwer-Etüden oder Villa-Lobos Preludien). Dort steht der Fingersatz für links oft über der Note, aber nicht immer. Sinn macht das meiner Meinung nach nur bei einem künstlerischen Notensatz, wie den Lobos-Preludien. Dieses Schriftbild sieht so harmonisch und ästhetisch aus, dass man es sich als Bild an die Wand hängen möchte. :-)

Grüße

RobUr

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Re: Standart Gitarrennotation der Fingersätze
« Antwort #4 am: Donnerstag, 6. August 2009, 20:11 »
Hallo alle,

ich habe auch schon vieles gesehen, und am besten lesbar ist schlichtweg das, was Trulli beschreibt: rechte Hand über der Zeile und linke Hand (möglichst) links an den Noten. Wenn ich grad meine uralte ungarische (oder sonstwo abgekupferte) Ausgabe der Brouwer-Etüden rauskrame, bestätigt dies das Notenbild. Zugegebenermaßen kein schlagkräftiges Argument, aber man muss beim Fingersatzentziffern nicht auch noch querdenken müssen. Entscheidend ist die Lesbarkeit, und da kann eine Ziffer auch mal rechts neben der Note stehen, solang sie eben daneben steht und das Notenbild nicht irritierend beeinflusst.

Lilys Notenbild ist ganz klar am klassischen Stich orientiert und schafft's eben auch (weswegen ich heutzutage über die ganzen "Premium"-Programme nur lachen muss, die ich vorher, als Lily noch in der Entwicklung war, immerhin belächelt habe, aber trotzdem einige "Capella-Jugendsünden" beging), aber mit sogenannten Voreinstellungen wäre ich vorsichtig. Lily macht die Noten wunderschön, aber alles drumherum muss man anpassen und zumindest ansatzweise wissen, was noch dazu gehört. Allein die Anwendung von TeX macht noch kein verlagsreifes Layout, und Lily-Ouput ohne Feintuning wird Peters oder Breitkopf auch abschrecken. Sehe ich immer wieder bei den CPDL-Partituren. Zum Beispiel setzt Lily Gesangstexte ganz vorbildlich unter die Noten, aber trotzdem muss ich selbst für korrekte Verbalkung und Bindebögen sorgen. Es kann nicht erkennen (und man kann es Lily auch nicht beibringen), dass man gerade Vokalstimmen setzt und sich deswegen Fähnchen und Balken anders verhalten müssen: die Voreinstellung ist eben \autoBeamOn.

Aber zurück zu deinem Anliegen. Ich hatte vor einiger Zeit versuchsweise eine der Brouwer-Etüden angefangen zu setzen und fand den noch unbearbeiteten Satz schon frappierend gut. Fingersätze für die linke Hand hatte ich schon mit drin; dann war anderes dringender, und somit fehlen mir immer noch die Fingersätze für die rechte Hand. Ich erinnere mich aber grau an die Voreinstellung, die auf Saiteninstrumente allgemein abgestimmt ist. Insofern wundere ich mich über die Gitarrennotation, da mir außer dem chordmode dazu nichts einfällt. Schnell behoben war es bei mir aber mit
\set fingeringOrientations = #'(left)
\set strokeFingerOrientations = #'(up) \override StrokeFinger #'add-stem-support = ##t
\set stringNumberOrientations = #'(up) \override StringNumber #'add-stem-support = ##t

Damit hast du eine gute Ausgangsbasis, die im Einzelnen noch angepasst werden kann. Hier einmal ein kleiner Ausschnitt meines damaligen Versuchs (leider ohne Fingersatz für die rechte Hand), der mit diesen Einstellungen arbeitet. Die "4" für das "fis" muss natürlich manuell über der Zeile platziert werden, um nicht mit Balken und Vorzeichen zu kollidieren. Das pianissimo sitzt bislang zu tief. Der Phrasierungsbogen müsste etwas anders verlaufen, um mit drei der Akzente besser zu harmonieren. Wenn die rechte Hand jetzt dazukäme, würden in diesem Beispiel die "p" für den Daumen unter die Basslinie gesetzt werden; "m" und "a" über die (verbalkten) Noten. Ansonsten ist aber alles schon ganz gut am richtigen Fleck.



Und wie gesagt, der "grundsätzliche" Standard wird verlagsweise etwas anders gehandhabt. Bei Vokalstimmen bin ich mir recht sicher und vertrete vehement die herkömmliche Notationsweise (im Gegensatz zur moderneren amerikanischen); bei reinen Instrumentalstimmen würde ich mir ein gutes verlegtes Beispiel besorgen und den Stich studieren.

Und wer es noch nicht wusste: es gibt eine nette kleine Blacklist, was man beim Notensetzen tunlichst vermeiden sollte -> http://icking-music-archive.org/lists/sottisier/sottiger.pdf

Liebe Grüße und viel Spaß weiterhin beim Basteln,
Robert

etilli33

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Re: Standart Gitarrennotation der Fingersätze
« Antwort #5 am: Freitag, 7. August 2009, 12:56 »

Und wer es noch nicht wusste: es gibt eine nette kleine Blacklist, was man beim Notensetzen tunlichst vermeiden sollte -> http://icking-music-archive.org/lists/sottisier/sottiger.pdf

Liebe Grüße und viel Spaß weiterhin beim Basteln,
Robert

ha, zum Glück nimmt uns LilyPond viele dieser Überlegungen ab! Und liefert obendrein einen ausgeglichenen Notensatz. :-)

trulli

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Re: Standart Gitarrennotation der Fingersätze
« Antwort #6 am: Samstag, 8. August 2009, 12:05 »
Hallo Robert,

warum hast du in dem Brouwer Beispiel die 4 beim fis nicht auf Höhe des c über die Note gesetzt (so wie es in der Eschig-Ausgabe ist)? Das empfinde ich als Gitarrist noch als tolerierbare Zwischenlösung. Jedenfalls ist es besser als den Fingersatz direkt über den Balken zu schreiben.

Ansonsten (bis auf den Phrasierungsbogen) ein gelungener Satz!

Übrigens: wo wir beide wieder beim Fingersatz sind: das letzte Achtel im ersten Takt lässt sich einfacher mit 1 greifen.  :)

Grüße von Trulli
« Letzte Änderung: Dienstag, 11. August 2009, 10:54 von trulli »