Autor Thema: Partitur - Probleme mit partcombine  (Gelesen 3222 mal)

swetom2011

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Partitur - Probleme mit partcombine
« am: Freitag, 19. Februar 2016, 15:31 »
Hallo,

bin jetzt so weit dass ich aus mehrere Stimmen ein Partitur zusammenstellen kann.  Allerdings habe ich bei der Cellostimme probleme (besteht eigentlich aus zwei Stimmen die ich mit \partcombine auf eine notenlinei zusammenfüge).

1. die Hälse gehen nicht all in eine Richtung
2. ich bekomme automatische Eintäge wie a2, Solo etc.  Hängt wohl mit partcombine zusammen
3. in die kombinierte Stimme erhalte ich eine dicke Line

Die Probleme sind im angehängten pdf-File markiert. Die entsprechende .ly files sind auch angehängt.

Für eine Lösung wäre ich dankbar.

Gruß

fugenkomponist

  • Gast
Re: Partitur - Probleme mit partcombine
« Antwort #1 am: Freitag, 19. Februar 2016, 19:07 »
Zu deinen Problemen:

1. Wenn die Stimmen eine Oktave oder weiter auseinander sind, bekommt jede Stimme einen eigenen Hals. Mit dem Befehl \partcombineChords kannst du erzwingen, dass die Stimmen als Akkord (mit nur einem Hals) notiert werden. Zwei separate Hälse sollten aber eigentlich immer in verschiedene Richtungen zeigen.

2. Ja, \partcombine entscheidet (wie oben angedeutet) schon, ob es die zwei Stimmen als Akkord, als zwei Stimmen, als Solo einer der beiden Stimmen oder als Unisono darstellt. Diese Entscheidungen kann man mit (\once) \partcombineChords, \partcombineApart, \partcombineSolo, \partcombineSoloII, \partcombineUnisono und \partcombineAutomatic beeinflussen.
Die Bezeichnungen „a2“ für einzelne Unisono-Töne lassen sich per \set Staff.printPartCombineTexts = ##f unterdrücken.

3. Das ist ein Balken, der anscheinend aus einer ungünstigen Kombination von Zeilenumbruch, \repeat tremolo und partcombine (in diesem Fall Wechsel von „partcombineSolo“ zu „partcombineApart“) resultiert. Ist ein Fehler von LilyPond, man sollte den aber gut umgehen können.

Weitere Anmerkungen:

a) Ist dir klar, dass das auf einem Cello nicht spielbar ist? Der tiefste mögliche Ton ist das große C. Es gibt nur extrem wenige Stücke, wo man mit tiefer gestimmter C-Saite spielt (Kodály-Sonate (Kontra-H), 2. Satz Schumann-Klavierquartett (Kontra-B), außerdem kommt in der Alpensinfonie zweimal ein Kontra-B vor, wo man aber genauso gut großes B oder Des spielen kann, weil man es eh nicht hört).

b) Ich würde drei Achtel und Achtelpause (z. B. Takt 21ff.) auch so hinschreiben. Die Schreibweise mit \repeat tremolo ist meiner Meinung nach unübersichtlich und spart nicht sonderlich viel Platz. Besonders schlimm in Takt 37ff. Das gleiche für \repeat tremolo 2 { a8 c } (also wenn man vier Noten mit nur zwei Köpfen darstellt, da ist auch wenig gespart außer Lesbarkeit). Diese faule Notation ist in Handschriften üblich, aber in gedruckten Noten kommt sie eher selten vor.

c) Ist das so gewollt, dass das zweite Cello dauernd Pause hat? Oder sollen da beide Celli unisono spielen? Dann würd ich das auch so hinschreiben.

d) Im letzten Takt hast du im zweiten Cello r2\fermata notiert. Hier sollte aber auch eine Ganztaktpause stehen: R2\fermataMarkup

Aus den Antworten zu diesen Fragen ergibt sich evtl. auch ein bisschen was zu deinen Problemen, deshalb hab ich jetzt mal noch keine Komplettlösung erstellt.
« Letzte Änderung: Freitag, 19. Februar 2016, 19:16 von fugenkomponist »

swetom2011

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Re: Partitur - Probleme mit partcombine
« Antwort #2 am: Samstag, 20. Februar 2016, 14:40 »
Zuerst vielen Dank für die Kommentare / Vorschläge.  Zu den Punkten:
1.   Ok aber sehe auch unter 2. unten

2.   Die „partcombine“ Möglichkeiten habe ich gesehen aber noch nicht getestet.  Der Grund ist einfach der, dass ich für die Cello Stimme zwei Stimmen geschrieben habe. Für die Cellostimme selbst habe ich einfach „RemoveEmptyStaves“ benutzt um leere stimmen zu unterdrücken.  Im Partitur allerdings, wollte ich Platz sparen und hat deswegen „partcombine“ benutzt.

3.   Ok.

a.   Habe ich gesehen nachdem ich mein LilyPond Datei gepostet habe.  Kommt wahrscheinlich davon, dass ich die Cello-Stimme(n) mehrmals überarbeitet habe und nicht aufgepasst was ich als „relativ“ definiert habe.  Muss in Stimmauszug nachschauen.  Allerdings, gestern ging es mit hupsächlich um, für mich am mindestens, LilyPond-Probleme.  Das Problem mit der Cello-Stimme habe ich gesehen als ich eine Partitur zusammengestellt habe.

b.   Werde ich überarbeiten.

c.   Wenn du meine ly-Datei nimmst und RemoveEmptyStaves einsetzen, erhalte ich genau das was auch im Stimmzug steht.  Dies ist allerdings handgeschrieben und mehr als schwer lesbar.  Es steht überhaupt nichts über divisi oder unisono aber wahrscheinlich hast du recht. Manchmal haben die Noten nicht einmal Notenköpfe, sondern der Hals hört irgendwo einfach auf.  Wollte eigentlich das Partitur nächste Woche mit unser Dirigenten durchgehen nach dem Motto vier Augen sehen Mehr als zwei.

d.   Ok, wusste ich nicht das man so machen kann.

Melde mich eventuell falls ich nicht weiterkomme.

fugenkomponist

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Re: Partitur - Probleme mit partcombine
« Antwort #3 am: Samstag, 20. Februar 2016, 15:28 »
2.   Die „partcombine“ Möglichkeiten habe ich gesehen aber noch nicht getestet.  Der Grund ist einfach der, dass ich für die Cello Stimme zwei Stimmen geschrieben habe. Für die Cellostimme selbst habe ich einfach „RemoveEmptyStaves“ benutzt um leere stimmen zu unterdrücken.  Im Partitur allerdings, wollte ich Platz sparen und hat deswegen „partcombine“ benutzt.
Du kannst diese Befehle auch einfach so verwenden im Notentext; sie werden sich nur auf die Partitur mit \partcombine auswirken, auf die Cellostimme mit den zwei Systemen selbst nicht.
Zitat
3.   Ok.
Ich muss zugeben, ich habe für dieses Problem noch keine Lösung gefunden, wenn du hier nicht weiterkommst, schau ich mir das aber nochmal an ;)
Zitat
a.   Habe ich gesehen nachdem ich mein LilyPond Datei gepostet habe.  Kommt wahrscheinlich davon, dass ich die Cello-Stimme(n) mehrmals überarbeitet habe und nicht aufgepasst was ich als „relativ“ definiert habe.  Muss in Stimmauszug nachschauen.  Allerdings, gestern ging es mit hupsächlich um, für mich am mindestens, LilyPond-Probleme.  Das Problem mit der Cello-Stimme habe ich gesehen als ich eine Partitur zusammengestellt habe.
Achso, hab jetzt auch im anderen Thread gesehn, wie die Noten eigentlich gemeint sind; dann ist das ja kein Problem ;)
Zitat
c.   Wenn du meine ly-Datei nimmst und RemoveEmptyStaves einsetzen, erhalte ich genau das was auch im Stimmzug steht.  Dies ist allerdings handgeschrieben und mehr als schwer lesbar.  Es steht überhaupt nichts über divisi oder unisono aber wahrscheinlich hast du recht. Manchmal haben die Noten nicht einmal Notenköpfe, sondern der Hals hört irgendwo einfach auf.  Wollte eigentlich das Partitur nächste Woche mit unser Dirigenten durchgehen nach dem Motto vier Augen sehen Mehr als zwei.
Ok, ich versteh jetzt, warum du im zweiten Cello dann Pausen setzt. Du kannst dann im ersten Cello \partcombineUnisono schreiben, dann werden die Pausen des zweiten Cellos ignoriert, soweit ich weiß. Müsste man aber nochmal ausprobieren, es würde jedenfalls Tipparbeit sparen.
Zitat
d.   Ok, wusste ich nicht das man so machen kann.
Hab ich mir fast schon gedacht, das ist ein beliebtes Anfängerproblem, dass R\fermata nicht geht und man stattdessen \fermataMarkup braucht.
Melde mich eventuell falls ich nicht weiterkomme. Ging mir genauso am Anfang ;)

swetom2011

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Re: Partitur - Probleme mit partcombine
« Antwort #4 am: Montag, 22. Februar 2016, 09:25 »
Hallo,

ich habe die Cellostimme überarbeitet.  Es ist nicht perfekt aber sieht schon besser aus.  Das Problem mit \partcombine bin ich einfach umgangen mit einer Änderung der Reihenfolge.  D.h. \partcombine \vcB \vcA statt \partcombine \vcA \vcB.

Der dicke Balken ist auch nicht mehr da.  Habe einfach einige Takte ausgeschrieben, d.h.

ais8 fis ais8 fis|
\repeat tremolo 2 {ais8 fis}|

und so weiter, siehe Anhang.

Bei der Partitur zusammenstellen habe ich der Partiturassistent von Frescobaldi benutzt. Allerdings fehlt dann auf einigen Stellen der geschweiften Klammer für
- zwischen Piccoloflöte und Flöte
- Violine I und Violine II
- Cello und Kontrabass
Wie kann man die anhand meines Beispiels am einfachsten hinkriegen?

fugenkomponist

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Re: Partitur - Probleme mit partcombine
« Antwort #5 am: Montag, 22. Februar 2016, 14:09 »
Das Problem mit \partcombine bin ich einfach umgangen mit einer Änderung der Reihenfolge.  D.h. \partcombine \vcB \vcA statt \partcombine \vcA \vcB.
Oh, das war mir gar nicht aufgefallen. Ja, bei \partcombine kommt es auf die Reihenfolge an, und generell spielt ja die zweite Stimme tiefer und wird dann auch nach unten gehalst. Bei „Stimmkreuzung“ werden dann eben automatisch zwei Hälse gesetzt, weil ja sonst die Reihenfolge im Akkord falsch wäre.

Man könnte jetzt nochmal überlegen, ob man in Takt 36–40 die beiden Stimmen tauscht (einfach die Noten von celloA nach celloB und andersherum).
Zitat
Bei der Partitur zusammenstellen habe ich der Partiturassistent von Frescobaldi benutzt. Allerdings fehlt dann auf einigen Stellen der geschweiften Klammer für
- zwischen Piccoloflöte und Flöte
- Violine I und Violine II
- Cello und Kontrabass
Wie kann man die anhand meines Beispiels am einfachsten hinkriegen?
Das kann der Partiturassistent zwar auch irgendwie, aber ich hab den nie genutzt, weiß deshalb nicht, wie. Man kann aber natürlich den Code selbst schreiben, dann siehts ab Zeile 170 in PartiturBeispiel.ly folgendermaßen aus:
\score {
  <<
    \new StaffGroup <<
      \new GrandStaff <<
        \scoreAPiccoloPart
        \scoreAFlutePart
      >>
      \scoreAOboePart
      \scoreAClarinetPart
      \scoreABassoonPart
    >>
    \new StaffGroup <<
      \scoreAHornFPart
      \scoreATrumpetCPart
      \scoreATrombonePart
    >>
    \scoreATimpaniPart
    \new StaffGroup <<
      \new GrandStaff <<
        \scoreAViolinIPart
        \scoreAViolinIIPart
      >>
      \scoreAViolaPart
      \new GrandStaff <<
        \scoreACelloPart
        \scoreAContrabassPart
      >>
    >>
  >>
  \layout { }
  \midi {
    \tempo 4=100
  }
}
StaffGroups sorgen für eckige Klammern und durchgezogene Taktstriche in den Holz- bzw. Blechbläsern und Streichern (die hast du nicht erwähnt, die sind aber üblich); auf gleiche Weise gibts GrandStaff für geschweifte Klammern. Es steckt noch ein bisschen mehr dahinter (z. B. automatische vertikale Abstände und die Möglichkeit, auch den Klammern, nicht nur einzelnen Instrumenten, Namen zu geben (z. B. „4 Hörner in F“ an den GrandStaff, „I, II“ und „III, IV“ an die einzelnen Staffs)).

swetom2011

  • Gast
Re: Partitur - Probleme mit partcombine
« Antwort #6 am: Montag, 22. Februar 2016, 19:15 »
Danke, sieht gut aus.

Das war meine erste Erfahrung mit LilyPond.  Bisher habe ich nur Capella und Capella Scan benutzt und das ist wirklich etwas anderes.  Mal sehen wie es mit LilyPond beim nächsten Werk geht.

fugenkomponist

  • Gast
Re: Partitur - Probleme mit partcombine
« Antwort #7 am: Montag, 22. Februar 2016, 22:14 »
Da hast du dir ja gleich nen ganz schönen Brocken rausgesucht, mit partcombine etc. ;) Ich kann aber sagen: Mit der Zeit kommt man rein, wie bei jedem Programm.

swetom2011

  • Gast
Re: Partitur - Probleme mit partcombine
« Antwort #8 am: Dienstag, 23. Februar 2016, 23:48 »
Danke. Gebe zu man muß üben. Die Handbücher sind sehr umfangreich und detailiert aber manchmal fehlt mir s.  g. "Best practice" - Beispiele.