Autor Thema: Ungewöhnliche Greiffinger und Teilbarrees  (Gelesen 5021 mal)

Dakuan

  • Gast
Ungewöhnliche Greiffinger und Teilbarrees
« am: Mittwoch, 28. März 2012, 23:22 »
Hallo,
der Titel ist jetzt vielleicht etwas unglücklich, aber es geht um folgende Sequenz (siehe Anhang).
Wie aus den Griffdiagrammen ersichtlich ist, soll die Saite 6 mit dem Daumen gegriffen werden. In der klassischen Gitarrenspielweise ist sowas verpönt und da ich damals nur eine Konzertgitarre hatte, musste ich immer den vollen Barré greifen. Auf meiner heutigen Western Gitarre sieht das aber schon anders aus. Hier soll einfach nur der Daumen von Bund 1 auf Bund 2 rutschen, während der Finger 3 abgehoben wird. Kann man das in Lilypond so als Fingerinfo im Notenbild abbilden? Der Daumen scheint da ja nicht vorgesehen zu sein.

Im zweiten Teil (Takt 14) erscheint der "vorgezogene" A Akkord als Teilbarré und der Komponist/Autor wünscht hierfür auch den Finger 1. Andererseits beschreibt der Autor auch immer wieder, wie wichtig es ist, die Fingerbewegungen zu optimieren. Dabei habe ich jetzt festgestellt, das es einfacher ist, nach dem dritten Achtelschlag einfach den Finger 2 (auf Saitre 4) herunterzuklappen um auch die Saite 3 zu erwischen. Kann man in Lilypond bei Griffdiagrammen angeben, das ein (Teil-) Barré mit einem bestimmten Finger (hier 2) gegriffen werden soll?

trulli

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Re: Ungewöhnliche Greiffinger und Teilbarrees
« Antwort #1 am: Freitag, 30. März 2012, 22:02 »
Hallo Dakuan,

Erster Teil: Übliche Bezeichnungen für den Daumen linke Hand sind: -1 oder D l.H. Beides kannst du mit einem einfachen \markup in Lily einfügen.
Der Einsatz des Daumens l.H. wird immer problematisch sein, weil dadurch das Handgelenk stark abgeknickt wird, wodurch Sehnenverbände und Blut abgedrückt werden. Das ist der Grund warum dieser Griff immer weniger vorkommt. Dein Beispiel lässt sich aber ohne Probleme auch ohne Barre und ohne Daumen linke Hand spielen.

Zweiter Teil: Teilbarre kannst du im Griffbild mit gleichen Zahlen (bei A-Dur, z.B. mit 2 2 2) angeben, es geht auch über den Fingersatz in den Noten (vor das e eine 2 und vor das a eine 2) oder eine eckige Klammer im Notenbild.
In deinem Beispiel wird das cis im A-Dur Akkord gar nicht gespielt, damit könnte also der zweite Finger vom C-Dur liegen bleiben und das a vom A-Dur einfach mit 3 gegriffen werden.
Zu Barreklammern für Gitarristen findest du hier in zwei Threads Anregungen:
https://archiv.lilypondforum.de/index.php?topic=412.0
https://archiv.lilypondforum.de/index.php?topic=620.0


Grüße von Trulli

Dakuan

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Re: Ungewöhnliche Greiffinger und Teilbarrees
« Antwort #2 am: Samstag, 31. März 2012, 00:17 »
Hallo trulli,

danke für deine Hinweise. Mit Barree Griffen hatte ich ja schon immer meine Probleme  :(  Den Daumengriff habe ich erst jetzt (nach 20 Jahren Pause) probiert. Warum der aus anatomischer Sicht problematisch ist, war mir bisher unbekannt. Jedenfalls scheinen sich meine Finger nach jetzt fast 4 Wochen Übung doch an den alte Vollbarree zu erinnern, so dass mir jetzt Zweifel kommen, ob ein Umtrainieren sinnvoll ist.

Zitat
Dein Beispiel lässt sich aber ohne Probleme auch ohne Barre und ohne Daumen linke Hand spielen.
Ich wollte dich gerade frage wie das gehen soll, aber ich habe jetzt doch mal die Gitarre in die Hand genommen und festgestellt, es könnte gehen. Ich muss mal sehen, ob meine Finger sich daran gewöhnen können, aber vermutlich werde ich dach beim klassischen Barree landen.

Zitat
In deinem Beispiel wird das cis im A-Dur Akkord gar nicht gespielt, damit könnte also der zweite Finger vom C-Dur liegen bleiben und das a vom A-Dur einfach mit 3 gegriffen werden.
Das ist eine völlig neue Variante. Ich werde das morgen mal ausprobieren, ob das in den gesamten Bewegungsablauf passt und ob Lilypond die vorgesehene Notation versteht.

Die angebotenen Links werde ich erst morgen abarbeiten, heute ist es schon zu früh  ;)

Gruß
Dakuan

trulli

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Re: Ungewöhnliche Greiffinger und Teilbarrees
« Antwort #3 am: Samstag, 31. März 2012, 13:04 »
Mit Barree Griffen hatte ich ja schon immer meine Probleme

Hallo Dakuan,
das geht eigentlich jedem so und alle die heute meinen, man bäuchte nur ein bisschen Übung dafür, haben vergessen wie sie sich einst quälen mussten....
Der volle Barre in der ersten Lage (also für F-Dur z.B.) ist was Barre, Streckung und Fingerkraft betrifft auch der schwierigste Fall eines Barregriffs! Eigentlich sollte man mit kleinen Barres in höheren Lagen und mit dem vollen Barre in der 3.Lage (also G-Dur Barre) anfangen.

Hier mal ein Vorschlag für einen Fingersatz ohne Barre.

Gruß

Dakuan

  • Gast
Re: Ungewöhnliche Greiffinger und Teilbarrees
« Antwort #4 am: Montag, 2. April 2012, 22:09 »
Hallo trulli,
ich bin wieder da. Also mit den alternativen Fingersätzen habe ich noch Probleme. Und immer wenn ich mal wieder nicht so konzentriert auf die Noten schaue, erwische ich meine Finger immer wieder mal dabei, wie sie die vor 20 Jahren trainierten Griffe ausführen. Offenbar haben Finger auch ein Langzeitgedächtnis, was möglicherweise durch Wiederholung vorheriger Ereignisse (Grifffolgen) reaktiviert werden kann.

Auch wenn ich noch nicht weiß, welche Variante ich letztendlich benutze, so weiß ich wenigstens wie ich das notieren kann.

Nochmal zu den vollen Barregriffen, die sind zwar anstrengend, aber für sich alleine machbar. Allerdings kommen ja beim Fingerpicking meist noch weitere Komplikationen hinzu, die dann, zumindest bei mir, die Kraft im Zeigefinger beeinträchtigen. Dazu hier mal ein weiteres Beispiel aus dem selben Stück (siehe Anhang). Bei dieser Art von Musik bekommt der kleine Finger ziemlich viel Arbeit, was der Zeigefinger nicht so gerne mag  :( Aber was solls, da hilft wirklich nur Übung und da kann Lilypond wenig helfen.

Ich bin ja schon froh, das ich diese Stücke schön übersichtlich auf 3 Seiten auf dem Tisch liegen habe, und nicht immer nach 6 Takten das Buch umblättern muss (auf der rechten Seite im Buch sind immer die Erklärungen und das Großformat in Lilypond brauche ich, damit ich nicht immer die Lesebrille mitnehmen muss).
Gruß
Dakuan

trulli

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Re: Ungewöhnliche Greiffinger und Teilbarrees
« Antwort #5 am: Dienstag, 3. April 2012, 11:26 »
Ja Dakuan, die Fingerpicker-Fraktion spielt gerne die vollen Barregriffe, damit sie die anderen Finger für die Melodie zum Greifen frei haben. Da gibt es bei deinem F-Dur Beispiel natürlich auch einige Möglichkeiten den vollen Barre zu greifen und nicht die F-Dur-Daumenvariante. Letztendlich sollten aber deine Finger entscheiden und das spielen, was ihnen (ohne Schmerzen zu verursachen) gut liegt.

Gruß