\version "2.14.2" \header {tagline = ##f} \markup { \column { %\override #'(line-width . 90) \justify %\wordwrap %\left-align %\italic { Der für diese Ausgabe als Vorlage (und vermutlich einzige Quelle erhaltene) verwendete und aus der Murhardt‘schen Bibliothek stammende Dresdener Druck von 1626 hat sich aus verschiedenen Gründen als schwierige Quelle für eine Neuausgabe der Werke von Carlo Farina erwiesen. } %\hspace #0 \vspace #.5 %\override #'(line-width . 108) \justify %\italic { Erstens lag dem Herausgeber nur ein Negativdruckabzug von einem Positivfilm bescheidener Qualität vor (vielleicht auch heute noch die einzige Möglichkeit, die Musikdrucke dieses Komponisten in Augenschein zu nehmen), der nicht immer gut zu lesen ist. } % \hspace #0 \vspace #.5 \justify %\italic { Zweitens, und das war das größte Hindernis, ist der Drucker Wolfgang Seiffert in Dresden möglicherweise nicht der sorgfältigste Vertreter seiner Zunft gewesen. Die Ausgabe ist leider ziemlich fehlerbehaftet, wie die später folgende „Mängelliste“ zeigen wird. Es könnte zwar auch sein, daß er eine schlechte Druckvorlage hatte, aber die Tatsache, daß Farina selber zu dieser Zeit auch in Dresden war und es also nicht schwierig war, in Kontakt mit ihm zu kommen, spricht eher dafür, daß er drauflosgearbeitet hat, ohne sich um Ungenauigkeiten zu kümmern. Die sind dann auch reichlich vorhanden, und es hat einige Mühe gemacht, sie auszubessern. Nach heutigen Maßstäben muß wäre die Ausgabe nicht verkehrsfähig. Als praktischer Musiker muß man sich ohnehin fragen, wie die Kollegen der damaligen Zeit ohne Taktstriche und Partitur in der Lage waren, mit vertretbarem Zeitaufwand diese Unzulänglichkeiten zu beseitigen. } %\hspace #0 \vspace #.5 \justify %\italic { An Fehlern kommt alles vor, was so möglich ist: falsche Töne, falsche Notenwerte und vor allem die Vorzeichen. Bei taktstrichloser Notation ist in der Regel davon auszugehen, daß ein Vorzeichen nur für die Note gilt, vor der es steht. In der Vorlage kommt man leider nicht sehr weit damit, denn es ist offensichtlich, daß sie manchmal auch für die Note davor gemeint sein müssen. Oder sie gelten für einen bestimmten Kontext, eine Geste, eine Floskel. Gelegentlich hat der Setzer wohl auch einmal für eine Erhöhung ein „B“ erwischt... Die schwierigste Korrektur waren 4 Takte in den „Brandi“, wo die gedruckten Töne komplett falsch waren. Nur eine Art Neukomposition konnte hier Abhilfe schaffen. } % \hspace #0 \vspace #.5 \justify %\italic { Für einen Herausgeber von heute, der mit dem Repertoire des 17. Jahrhunderts vertraut ist, ist die Frage nach richtig und falsch nicht immer einfach zu beantworten. Carlo Farina hat durch die Zusammenarbeit mit Claudio Monteverdi und Heinrich Schütz ausgiebigen Kontakt mit deren Werken und Musikstilen gehabt. Es ist seiner Musik durchaus anzumerken, daß er davon nicht unbeeinflußt geblieben ist. Unter den vielen harmonischen Kühnheiten, die den Stil etlicher Meister dieser Zeit charakterisieren, gibt es einiges, das unseren heutigen Ohren befremdlich klingt. } \vspace #.5 % \hspace #0 \justify %\italic { Einerseits hat diese Musik - und hier komme ich auch wieder auf Farina zurück - eine klare tonale Orientierung, die sich vor allem in den Kadenzen zeigt, die wie Wegmarken wirken. Aber was zwischendurch passiert, kann man nicht immer so klar verorten. Bei vielen Querständen und dadurch verursachten Härten ist nicht immer eindeutig zu sagen, ob sie „gemeint“ sind oder ob es sich um einen Irrtum handelt. } %\hspace #0 \vspace #.5 \justify %\italic { Als Herausgeber habe ich lange an vielen Stellen herumprobiert, um eine Lösung zu finden, die ich unter Berücksichtigung verschiedener Kriterien als die beste angesehen habe. Hauptkriterien sind: } \vspace #.5 % \hspace #0 \justify %\italic { 1. so wenig wie möglich in den Text eingreifen. Müssen gar mehrere Töne verändert werden, so ist die Variante mit den geringsten Veränderungen gewählt wor- den. \vspace #-0.8 } %\hspace #0 \justify %\italic { 2. Analogien suchen \vspace #-0.8 } %\hspace #0 \justify %\italic { 3. Wo wird durch Querstände und möglicherweise fehlende Vorzeichen ein so starkes Gefühl tonaler Orientierungslosigkeit erreicht, daß man korrigierend eingreifen muß? } %\hspace #0 \vspace #1 \justify %\italic { Die Ergebnisse dieser Korrekturen können nicht objektiv sein, und es ist durchaus denkbar, daß andere nicht zu den gleichen Ergebnissen kämen. Es ist auch vorgekommen, daß ich wieder zur Originalfassung zurückgekehrt bin, da Änderungen keine eindeutige Verbesserung bewirkten. Daher habe ich meine Änderungen dokumentiert und in die untenstehende Tabelle geschrieben. So kann jeder selber ausprobieren, ob er einverstanden ist. Auch Herausgeber sind nicht im Besitz unumstößlicher Gewißheiten. Damit nun aber der Benutzer einer Ausgabe sich ein Bild machen kann, müssen die Entscheidungen des Herausgebers transparent sein. Zum Schluß sei noch auf einige andere praktische Fragen kurz eingegangen: } } }